Rund 55 Geschäfte mit jüdischen Inhabern gab es 1933 in der Kantstraße. Alle wurden von den Nazis entweder zwangsweise geschlossen oder enteignet. Wobei die Enteignung manchmal auch in Form eines erzwungenen Verkaufs stattfand. Sie wurden von nichtjüdischen Inhabern übernommen, wie die noch heute existierende Kant-Garagen oder die Uhland-Apotheke.

Die Geschäfte spiegelten das bunte Geschäftsleben der damaligen Zeit wider. Dabei fällt auf, dass die Schwerpunkte ähnlich sind wie heute. Es waren sehr viel Möbel-, Mode-, Haushaltswaren- und Lebensmittelläden. Aber auch eine Firma zur „Herstellung und Vertrieb von Champignon-Brut“, ein Eiergeschäft, eine Weingroßhandlung. Ein Händler bot Marmorwaren an, ein anderer Spielkarten. In der Kantstraße wurde Getreide und Futtermittel gehandelt, Kurzwaren, Lederwaren ex- und importiert. Die Zoo-Garagen waren genauso jüdisches Gewerbe wie das damalige Kant-Hotel. Alles vorbei.

Hier ein nicht vollständiger Ausschnitt, was es an Geschäften mit jüdischen Inhabern gab, sortiert nach den Jahren der Schließung oder Enteignung. Mindestens vier Geschäftsinhaber wurden im Holocaust ermordet, ihre Namen sind mit einem Sternchen* gennzeichnet.

1936
Haushaltswarengeschäft Ludwig Katzenellenbogen, Kantstr. 4
Kant Pelzmoden, Kantstr. 35
Aron Salomon, Kurs- und Hypothekenmakler, Kantstr. 90
Julius Mehler, Uhland-Apotheke, Kantstr. 151
Drogerie Dr. Heinrich Lubowski, Kantstr. 152

1938
Spielkartenvertrieb Jacob Herrmann, Kantstr. 19
Leopold Brandt*, Öfen und Herde, Kantstr. 28
Modeartikel R. Baumann, Kantstr. 31
Damenkonfektion Martha Ruppin, Kantstr. 33
Louis Serlin, Kant-Garagenpalast, Kantstr. 126/127
Alice Matzdorff, Atelier für Kunstphotographie, Kantstr. 151
Dakma Dampfkessel und Maschinenbau, Kantstr. 162
Drogerie Dr. Fritz Taussig, Kantstr. 164

1939
Ingenieurbüro Hermann Axelrad, Kantstr. 3
Jacob Bärenholz, Lebensmittel, Kantstr. 30
Julius Eimer Textilwaren, Kantstr. 32
Buchhandlung Rubin Maß, Kantstr. 46
Kant Hotel Emil Schneider, Kantstr. 54
Schneiderartikel-Spezialgeschäft Georg Silberstein*, Kantstr. 65
Pelzwarenfabrik J. Biermann, Kantstr. 123
Papierhandlung Hermann Zernik*, Kantstr. 128
Eierhandlung Ch. Ehrlich, Kantstr. 129a
Detektei Gerhard Stensch, Kantstr. 152
Orientteppiche Cohen & Behar*, Kantstr. 160

1940
Eugen Groß Herrenbekleidung, Kantstr. 38a
Neos Laboratorium Dr. Ludwig Cohn*, Kantstr. 44/45
Möbelhandlung Aron Hoffmann, Kantstr. 52
Moses Warkowetzky, Manufaktur- und Kurzwaren, Kantstr. 134
Bernhard Jacobsohn, Pelzwaren, Kantstr. 162

1941
Moderner Schuhsalon Gebrüder Weisz, Kantstr. 161